Luc Chessex, Around the World

978-3-7165-1545-7

 

Einfach nur das Leben

 

Die Menschen sind nicht alle gleich und das ist gut so. Es ist notwendig, die Unterschiede zu kennen, um die Gemeinsamkeiten zu sehen. Der Fotograf Luc Chessex verfolgte auf seinen Reisen um die Welt unbeirrt dieses Ziel.

 

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Wir kennen exotische Länder vor allem über Postkartenidyllen, die zum Urlaub stimulieren sollen, und dann durch Katastrophen, Kriege oder Gewalttaten. Von diesen Bildern kann man sich schnell einmal distanzieren. Sie sind einfach nur weit weg und festigen die Vorstellung, dass die Ausnahmesituationen in diesen Ländern zur Normalität gehört. Es geht dabei nicht um Teilnahme. Hier werden Menschen oft benutzt, um zu erschrecken, zu warnen, Sensationen zu verkaufen oder Mitleid zu wecken. Luc Chessex verfährt da völlig anders. Er lässt den Menschen ihre Würde, obwohl er sehr genau beobachtet und nichts beschönigt. Seine Bilder zeigen einfach ein Stück Leben, etwa einen Jungen in Dori, der stolz ein Huhn trägt. Zwei ältere Menschen auf einem Ausflugsschiff in Australien, einen kleinen Jungen mit einer Wasserpistole in Japan oder eine Familie in der U-Bahn, jeweils durch Tausende Kilometer getrennt. Es ist ein kurzer Moment der Stille, des Innehaltens, der durch seine Fotos aufbewahrt wurde, bevor es wieder weiter geht und schnell und laut wird. Seine Bilder zeigen den Alltag, und die Betrachter erhalten so die Möglichkeit, ihre Vorurteile zu überprüfen. Und das auf höchst angenehme Art, denn die grossformatigen Bilder, die sich oft über eine ganze Seite ziehen, bieten zudem viele Details, die sich erst bei mehrmaligem Betrachten erschliessen. Chessex hat nicht Unrecht, ein wenig lässt sich die Welt sicher durch Fotos verändern, zum Besseren.

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Lorenz Braun, Buchkultur – Das internationale Buchmagazin 119/120, Oktober/November 2008

 

 

Nah an den Menschen

 

Der schweizer Fotograf Luc Chessex (geboren 1936) reiste um die Welt, um sich damit einen Kindheitstraum zu verwirklichen. Herausgekommen ist ein eher nüchterner Bildband mit Schwarzweissfotos, bar jeder Exotik. Fast beiläufig zeigt Chessex, was ansonsten am Wegesrand übersehen wird: ein Hund, umschwärmt von Krähen, Srassenkinder unter einem Revolutionsdenkmal oder einen kleinen Friedhof in den Strassen New Yorks.

Die Bilder erfassen weniger einen perfekt komponierten Augenblick, wie etwa die Bildreportagen eines Henri Cartier-Bresson. Dafür sind Chessex` Eindrücke viel näher an den Menschen. So sehr, dass man fast wie sie den Strassenstaub riecht, öliges Hafenwasser oder den tropischen Regen. Und immer wieder bleibt man an einem Bild hängen, in dem sowohl das Können als auch die Menschlichkeit des Fotografen deutlich werden.

Für Chessex war die Weltreise kein naiver Aufbruch ins Unbekannte: Mit 25 wanderte er nach Kuba aus, arbeitete dort im Kultusministerium, fotografierte überall in Südamerika für die kubanische Nachrichtenagentur Prensa Latina und dokumentierte in Afrika Hilfsaktionen des Roten Kreuzes.

 

FotoHits Magazin, Nr.9/2008