Das orange Wunder: Bern feiert die Euro 2008

978-3-7165-1546-4

 

Die Chronik der orangen Invasion

Euro-Bildband

 

Die orangen Fan-Scharen marschieren wieder durch die Berner Innenstadt – zumindest im Bildband «Das Orange Wunder». Das Buch bietet eine umfangreiche fotografische Chronik der Euro 08 aus Berner Sicht.

 

Dem BSC Young Boys weht derzeit ein rauer Wind um die Ohren: Nach einem missglückten Saisonstart teilt sich die Mannschaft den letzten Tabellenplatz mit dem FC Luzern. Nun muss sie auch noch den Rauswurf von Trainer Martin Andermatt verkraften. Angesichts solch widriger Umstände wünscht sich wohl so mancher YB-Fan jene drei kurzen Juniwochen zurück, als der Euro-Austragungsort Bern die inoffizielle Hauptstadt Hollands war, und «unsere» Oranjes scheinbar mühelos von Sieg zu Sieg eilten.

 

Die magische Stimmung jener Tage versucht der bei Benteli erschienene Bildband «Das Orange Wunder – Bern feiert die Euro 2008» einzufangen. Der gut 120 Seiten starke Band greift dabei aber nicht nur auf die bestens bekannten Bilder von über die Kornhausbrücke marschierenden Holland-Fans zurück. In chronologischer Reihenfolge halten die Bilder des Fotografen Philipp Zinniker auch den Umbau des Wankdorf-Stadions fest, die Eröffnung und den Abbau der Fanzonen – und natürlich die Matches im Stade de Suisse Wankdorf selbst. Die Spiele der glücklosen Schweizer Nationalmannschaft und des frisch gebackenen Europameisters Spanien streift «Das Orange Wunder» dagegen nur am Rande: Der Fokus des Buches liegt klar auf der Euro aus Berner Sicht und auf den gut 150000 holländischen Fans, welche die Bundesstadt besuchten.

 

Die beiden Autoren des Bildbands, Charles Beuret und Urs Frieden, beschränken sich in ihren Texten weitgehend auf einen kurzen Abriss der Ereignisse sowie auf Porträts von Fans, Organisatoren und Spielern. Die öffentliche Kritik an der Euro-Organisatorin Uefa, die als selbstherrlich empfunden wurde, oder an der Beschränkung der Bewegungsfreiheit in den Fanzonen und -meilen wird höchstens gestreift. Das fällt meistens nicht negativ auf. Schliesslich streben die Autoren ja keinen umfassenden Rückblick auf das zweite «Wunder von Bern» an, sondern versuchen die euphorische Stimmung während der Euro wiederzugeben. Etwas befremdlich wirkt einzig die Bezeichnung des umstrittenen Uefa-Präsidenten Michel Platini als «populär».

 

Am stärksten sind die ehemaligen Sportjournalisten Beuret und Frieden bei den Rezensionen der einzelnen Spiele. Diese sind spannend geschrieben und ergänzen die spektakulären Fotografien perfekt. Im Kapitel über die Schweizer Nationalmannschaft sparen die Autoren für einmal auch nicht mit Kritik: Für die Schweiz, so lautet ihr Fazit, wäre an der Euro mehr möglich gewesen.

 

Martin Zimmermann, Der Bund, 9. August 2008