978-3-7165-1495-5
Rolf Knie ist im Zirkus daheim
Seine Motive lagen buchstäblich vor der Haustür, er musste sie nicht einmal sortieren. Die Zirkuswelt des Rolf Knie war präsent, so lange er denken konnte. Hineingeboren in eine berühmte Schweizer Zirkusfamilie war die Manege von Anfang an der Spielplatz des Lebens. Dazu kam noch die Inspiration von kunstsinnigen Freunden, bei denen schon der junge Knie während seiner Schulzeit genügend Anregungen für sein malerisches Talent fand. So verbanden sich für ihn die bildende und die zirzensische Kunst wie von selbst. Die Karriere des Zirkussprösslings hat viele Stationen: Die Theaterbühne, das Maleratelier, der Winterzirkus Salto Natale und das Filmstudio. Doch die wahre Berufung blieb die Malerei, der nun ein schönes Rolf-Knie-Bilderbuch gewidmet ist (Benteli Verlag, 59,80 Euro). Es zeigt das vielgestaltige Schaffen des Künstlers in der Zeit von 1980 bis 2007 mit über zweihundert Lithographien, Serigraphien, handkolorierten Graphiken, Bronzen und Multiples. Rolf Knie zeichnete, was er vor der Treppe seines Zirkuswagens fand: Die wilden Tiere in ihren Stallungen, die Seile und Trapeze, die Clowns beim Warten vor ihrem großen Auftritt. Von der realistischen Darstellung einer Welt der Illusion wechselte Knie in die Abstraktion und hatte seinen ersten Erfolg mit einer Ausstellung auf der Plattform des Pariser Eiffelturms. Etwas Besonderes sind die Objektbilder Knies, sogenannte Chapiteaus, die Planen vom Zirkuszelt. Und sollten ihm die Kritiker vorwerfen, dass sein Werk in hohen Druckauflagen erscheint, somit also massenpopulär wird, kann der Künstler nur auf seine Wurzeln verweisen: Der Zirkus war und ist Heimat. Er muss massenpopulär sein, damit er überlebt.
Das bunte Album verrät, wie variabel die wiederkehrenden Motive rund um die Manege sind. Unser Beispiel: Die Serigraphie „Zirkusspiegel“ (1993). Kein Wunder, dass die Schweizer ihren Knie so lieben.
Tages-Anzeiger, 3. Juli 2008
