Michel Sima: Künstler im Atelier

978-3-7165-151431-3

 

Ein Künstler, der mit der Kamera in die Seele blickt

Es ging um die Welt, das berühmte Foto des spanischen Malers Pablo Picasso (1881–1973), auf dem er eine kleine Eule in der Hand hält und die sich gleich bleibenden Augen von Künstler und Tier intensiv in die Kamera blicken. Verantwortlich für diesen fotografischen Augenblick zeichnet der polnische Fotograf und Bildhauer Michel Sima (1912–1987), dessen Werk erst in jüngster Vergangenheit zunehmend Beachtung fand.

Das fotografische Schaffen Simas begann 1946. In diesem Jahr begleitete er den Entstehungsprozess von Picassos Werk «La joie de vivre». Sima dokumentierte nicht nur die verschiedenen Etappen der künstlerischen Ausführung, sondern verstand seine Arbeit als ganzheitliche persönliche Darstellung. In den kommenden Jahren porträtierte er fast alle Mitglieder der Ecole de Paris. Henri Matisse, Max Ernst, Man Ray, Marc Chagall und Alberto Giacometti sind nur einige, die Simas sensible Aufnahmen zu schätzen wussten. ...

Vergangenes Jahr ist über Michel Sima eine Publikation von Erika Billeter und Kuno Fischer mit Künstlerporträts erschienen – diesmal in bester Qualität. Genau das hatte Sima sich sein ganzes Leben lang gewünscht. Diesem Bildband gelingt es, dem Betrachter Simas eigenständige und wegweisende Porträtfotografie näher zu bringen, die weit über die blosse Abbildung hinaus die Persönlichkeit offen legt. ...

Dem Enthusiasmus des Galeristen Kuno Fischer und der Sachkenntnis und Begeisterung der Autorin Erika Billeter ist es zu verdanken, dass Simas grossartiges Werk der Vergessenheit entrissen wurde.

 

Marina Fuchs, Die Südostschweiz, 3.1.2009

 

 

Blick in Ateliers

Michel Sima (1912–1987) war Fotograf und Bildhauer. Von 1951 bis 1961 widmete er sich dem fotografischen Künstlerporträt. Er porträtierte fast alle Künstler der Ecole de Paris wie Henri Matisse, François Picabia, Alberto Giacometti, Jean Cocteau, Jean Arp, Fernand Léger, Max Ernst, Man Ray, Marcel Duchamp, Le Corbusier, Marc Chagall oder Joan Miró. Nicht nur bei den Fotos von Pablo Picasso, sondern bei allen Porträts scheint immer auch eine zugrunde liegende freundschaftliche Verbundenheit Simas mit den Porträtierten durch. Sie drückt sich aus in einer äusserst sensiblen Erfassung der Persönlichkeit und des Werkes der jeweiligen Künstler, wobei der geschaffene Bezug zum Werk und Atelier im Rahmen der Inszenierung geschickt dazu eingesetzt wird, dass der porträtierte Künstler quasi über sich selber spricht. Ergebnis ist ein eigenständiger Stil im Bereich des fotografischen Porträts, eine einzigartige Dokumentation der Künstler der Ecole de Paris, wie sie kein anderer in ihrer Geschlossenheit und Sensibilität hinterliess. Erika Billeter hat mit «Michel Sima: Künstler im Atelier» ein faszinierendes Buch herausgegeben.

 

Passauer Neue Presse, 10. April 2008

 

 

Künstler mit Käuzchen

IM SCHATTEN. 1947 war Pablo Picasso ein Sommer lang Gast im Schloss Grimaldi in Antibes: Hier pflegte er ein verletztes Käuzchen, hier entsteht sein Gemälde «La joie de vivre». Weniger bekannt ist: Vermittelt hat den Aufenthalt Michel Sima, ein 1912 in Polen geborener Jude, Fotograf und Bildhauer, Dem KZ entronnen, begleitet er, zur Bildhauerei nicht mehr in der Lage, fast alle Pariser Künstler-Grössen: Matisse, Picabia, Arp, Léger, Giacometti, Man Ray. In einem schönen fotoband hat Erika Billeter die intimen Künstkerbilder von Michel Sima zusammengetragen – eine Entdeckung.

 

alm, baz kulturgagazin, 14. April 2008