Marco Paoluzzo: Ethiopia

978-3-7165-1483-7



» GEO.de Fotoshow: Marco Paoluzzo

Auf seinen Reisen durch die äthiopischen Regionen gelangen Marco Paoluzzo poetische Porträts von Land und Leuten. Der unaufdringliche Blick des Fotografen vermittelt eine private Sicht auf das ostafrikanische Land. In dem bei Benteli im Duplex-Druck erschienenen Band "Ethiopia" finden sich einzigartige Tableaus, die stille Würde ausstrahlen.

 

GEO.de, Januar 2008



Äthiopiens Licht und Schatten

Ein beeindruckendes Reisetagebuch, komponiert aus strengen Schwarz-Weiß-Fotografien

Zum Horn von Afrika zog es Marco Paoluzzo, weil er Tigist wiedersehen wollte. Doch die Äthiopierin hatte gerade geheiratet, als der Schweizer Fotograf in Addis Abeba ankam. Er blieb trotzdem und kehrte nach 2000 mehrmals nach »Ethiopia«, sein fotografisches Utopia, zurück. Licht und Schatten, Glanz und Elend bannte er auf strengen Schwarz-Weiß- Bildern, aus denen er ein beeindruckendes Reisetagebuch komponierte. Die kulturelle Vielfalt des Staates, in dem über 80 Sprachen gesprochen werden, spiegelt Paoluzzo vor allem in Porträts und Gruppenbildern: »Bei jeder Begegnung suchte ich über die Augen das Gespräch.« In den Felsenkirchen von Lalibela, dem Wallfahrtsort im Norden, fing er Momente der Andacht ein: äthiopisch-orthodoxe Christen ins Gebet vertieft, weiß gekleidete Pilger mit entrücktem Blick. Etwas weiter westlich, auf dem kargen Hochland bei Dangla, ließ er einen feixenden, ausgemergelten Jungen vor einem Panzer posieren. Und nahe der kenianischen Grenzen begegnete er im Tal des Omo den animistischen Stämmen der Karo, Mursi und Erbore, die ihre Verletzlichkeit mit Hilfe kunstvoller Kriegsbemalung überspielen. Welch ein Glück, dass Paoluzzo die Äthiopierin Tigist wiedersehen wollte. So hat er ihr verkanntes Land in den Brennpunkt gerückt.

 

CS, DIE ZEIT Nr. 42, 11.10.2007



Eine Reise nach Äthiopien

«Tatsächlich gibt es nicht nur ein Äthiopien, sondern dutzende, die parallel existieren» lautet das Resümee des Schweizer Fotografen Marco Paoluzzo, der in seinem fotografischen Reisetagebuch «Ethiopia» das Land in 95 Schwarzweiß-Bildern dokumentiert hat. Der Großteil des Buches ist dem «Norden» gewidmet − er dokumentiert dabei sowohl den banalen Alltag von Fußball spielenden jungs als auch die sich in andächtig-stimmungsvollen Abbildungen von ins Gebet vertieften orthodoxen Christen niederschlägt. Eindrucksvoll sind vor allem die Felsenkirchen in der Pilgerstadt Lalibela, die vor rund 800 Jahren in rote Basaltlava gemeißelt wurden und heute zum Weltkulturerbe der UNESCO zählen. Beinahe grotesk mutet da der lachende Junge an, den er vor einem Panzer nahe Dangla posieren ließ.

Wirklich einziger Wermutstropfen dieses beeindruckenden Werkes: Paoluzzo verlässt sich in seinem Bildband ausschließlich auf die Macht der Bilder – nach begleitenden Texten oder Erklärungen (die manchmal durchaus zum Verständnis nützlich wären) sucht der Betrachter vergeblich. Dies ist einerseits sicherlich eine Möglichkeit, um die wirkungsvollen Fotos optimal zur Geltung zu bringen, andererseits gäbe es ja prinzipiell auch die Möglichkeit, im Anhang Erklärungen anzufügen und so die Betrachter noch näher an den Ort des Geschehens zu führen.

Paoluzzo selbst berichtet im Vorwort von seinem Schwanken zwischen Schwarzweiß- und farbigen Fotografien. Die Vorliebe für die «Strenge von Schwarzweiß» hat offensichtlich gesiegt. Daraus wurden beeindruckende Menschen- und Landschaftsporträts, die keineswegs eine gängige europäische Vorstellung des Landes zeigen, sondern viel mehr: die Schönheit, das Selbstbewusstsein und den Stolz der Menschen aus einem der ärmsten Ländern dieser Erde.

 

Universum, Februar 2008



Marco Paoluzzo, Ethiopia

Paoluzzo widmet sich mehr den Leuten, als dem Land und so ist sein àthiopienband ein Buch der Begegnung geworden, Spontane und bewegende Portraits jenseits der Afrika-Klischees.

 

fotoMAGAZIN 4/2008